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Dr. René Reichel "Ferguson war immer ein scharfer Kritiker der amerikanischen Kultur und des amerikanischen politischen Systems. Er fühlte sich nie zuhause oder wohl in Amerika und wartete auf die Gelegenheit, nach Europa zu emigrieren. In den frühen 90ern war er "Artist in Residence" bei der angesehenen Djerassi Stiftung. Der in 2015 gestorbenen Dr. Carl Djerassi war einer der führenden Sammler für Moderne Kunst in Amerika. Djerassi war geborener Wiener und hält bis zu seinem Todt eine enge Verbindung mit Österreich. Das war einer der Fäden, die Ferguson dazu bewegte, 1996 mit dem Tinte Zirkus Studio nach Österreich zu übersiedeln. Nach seiner Ankunft hier soll er zu einer Zeitschrift gesagt haben": "Der einzige kulturelle Vorteil für Künstler in Amerika ist gratis Ketchup bei McDonalds." Werdegang Don Ferguson – geboren: 19. 01. 1947 in St. Paul Minnesota U.S.A. derzeit wohnhaft in Österreich. 1965-68 Literatur und Kunst Studium an der Universität von South Dakota in Vermillion South Dakota. 1969 "Bachelor of Arts"- Literatur (amerikanischer akademischer Titel) am Moorehead College in Moorehead Minnesota. 1972 "Master of Arts"- Welt Religion und Philosophie (amerikanischer akademischer Titel) an der Graduate Theologisch Union in Berkeley Kalifornien. 1973 Praktikum am California College of Arts and Crafts in Oakland Kalifornien. 1974-76 Lehrer im "Töpfer Studio" in Berkeley Kalifornien. 1977-79 Mitbegründer des "Mooney Flat Pottery" (eines Keramikstudios zum Studium der traditionellen japanischen und amerikanischen Töpfertechniken) in Nevada City Kalifornien. 1980-82 Film und Video Studium am "East Bay Media Center" in Berkeley Kalifornien. 1983 Wahl zum Vizepräsidenten des "East Bay Media Center". 1984 Produzent und Regisseur des Dokumentarfilms "Where's the Rainbow?" 1985-87 Produzent zahlreicher Performance Videos für das San Francisco Bay Area Theater. 1988 Produzent und Regisseur des Video Dramas "I.E. Deutschland". 1989 Einladung und Aufenthalt in der Künstler Residenz der Carl Djerassi-Stiftung in Palo Alto Kalifornien. 1990 Regisseur des Experimentalfilms "Book of Shadows". 1991-95 Einrichtung eines Maler-Ateliers in Berkeley Kalifornien. 1996 Einrichtung eines Maler-Ateliers in St. Pölten NÖ. 2004 österreichischer Staatsbürger. 2007-14 Gründete „Kunst für Menschen in Not“ ein „Social Action Artwork“. Produziert und nimmt Teil in "Kunst für Menschen in Not" gruppen Ausstellungen und Performances in: der Festspielhaus St. Pölten, die Landesmuseum Niederösterreich, das Oskar Kokoschka Haus, die Museum Zentrum Mistelbach und der Stift Melk unter viele anderen KünstlerInnen, zusammen mit Professor Hermann Nitsch, Professor Josef Bramer und Wolfgang Friedrich Denk. "Kunst für Menschen in Not" hat mehr als 100.000 Euro für mehr als 23 local und internationalen Hilfsorganisationen aufgebracht. 2014 Fangt an mit handgefertigte Filz "Soft Paintings" zu produzieren. 2014 Kunst Auftrag für 10 "Soft Paintings" (privat Sammlung) 2015 Kunst Auftrag für 4 "Soft Paintings" (Arzte Zentrum, Krems, Österreich)
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Ausstellungen / Film Festival Präsentationen in: New York City Washington D.C. Los Angeles San Francisco Dallas Houston Atlanta Miami Philadelphia Cambridge Mexico City Berlin Brüssel Wien Innsbruck Györ Prag |
Gold Award Best Experimental Video Art World Festival - Houston Texas Bronze Plaque Award Columbus International Film and Video Festival Silver Award Philadelphia International Film Festival The Stan Vanderbeek Memorial Award Cine Golden Eagle Award Council on International Nontheatrical Events Washington D.C. 1. Preis Central Florida Film Festival 1. Preis Louisville Film and Video Festival 1. Preis South Beach Film Festival 1. Preis East Bay Media Film Festival |
Don Ferguson
der berühmteste unbekannte Künstler Österreichs – eine
Biografie[1]
„Ein
Kunsthistoriker kann Ihnen sagen, was Kunst war. Ein
Kunstkritiker kann Ihnen sagen, was Kunst ist. Aber ein Künstler
wird Ihnen sagen, was Kunst sein könnte.“
Don Ferguson Kannst du dich
noch an deine Schulzeit erinnern?
Meinst du Universität?
Wie du es
verstehst, und was dir einfällt zur Schule?
Ich war in Süd Dakota in Sioux Falls, da bin
ich in die Highschool gegangen. Highschool ist wie Gymnasium,
Washington Highschool, viele dieser Highschools in Amerika sind nach
Präsidenten benannt
(Lincoln Highschool, Washington…,
Garfield…, ..), dann die Universität in Süd Dakota drei Jahre, dann
im letzten Jahr in einem privaten College, Concordia College, dann
bin ich nach Kalifornien übersiedelt in eine Graduate School, für
ein Master Degree in Religion und Theologie, es heißt Graduate
Theological Union, es war eine Union von verschiedenen Richtungen:
Jüdisch, katholisch… man musste an einem bestimmten Seminar
teilnehmen. Ich war dann in einem lutherischen Seminar angemeldet,
also protestantisch…
Wie bist du auf Theologie gekommen?
Also in den
siebziger Jahren gab es viele Bücher über asiatische Religionen,
Buddhismus Hinduismus usw. Ich war daran interessiert, also
grundsätzlich an christlichen und anderen Theologien, Islam, usw.
interessiert, deswegen habe ich Theologie studiert.
Das unterscheidet sich von unseren
Theologiestudien, das gibt es bei uns gar nicht: verschiedene
Religionen in einem Studium.
Das war ein Masterprogramm.
Wo hast du den
Abschluss vor dem Master gehabt? Drei Jahre der
Universität von Süd Dakota, Englische Literatur und Kunst, Concordia
College das war ein lutherisches College, gesponsert von der Kirche,
da habe ich dann auch Theologie studiert im letzten Jahr.
Hat diese Studium eine Wirkung auf deine Kunst
gehabt?
Nicht direkt,
man konnte ein Lehrer werden oder Professor oder Bücher schreiben;
es war keine Berufsausbildung. Als ich in diesem Masterprogramm war,
habe ich begonnen, mit Keramik zu arbeiten. Es gab ein großes
Keramikstudio in Berkeley, Kalifornien, das war der Anfang von
meinen künstlerischen Weg. Man muss wissen, in Österreich gibt es
einen geraden Weg und meiner war so (zeigt in Kurven). Wenn man in
Österreich etwas studiert, dann gibt es einen Beruf, in Amerika kann
man von einem zum anderen, also ich bin immer meinen Interessen
gefolgt. Hast du als Kind
schon diese künstlerischen Interessen gehabt? Oder als Jugendlicher,
das muss ja irgendwo entstanden sein?
Einmal, als ich
neun Jahre alt war, hat meine Mutter ein Geschenk gekauft, so ein
Bild „Malen mit Zahlen“ und dazu gab es die kleinen Farbflaschen mit
einer Nummer. Ich habe alle Deckel aufgemacht und habe dann
vergessen, welcher Deckel auf welche Flasche gehört, und dann habe
ich das gemalt, und ich dachte es sei gut, aber meine Mutter hat es
nicht gefallen. Sie sagte, es war so teuer und du hast nun alles…
ruiniert. Aber sonst ist
das nicht irgendwie gefördert worden? Und du wolltest künstlerisch
tätig sein, oder war das wegen Geld verdienen?
Es ist nicht wirklich gefördert worden, auch
nicht in einer Schule.
Ich hatte eine Freundin, die war
Mitglied in einem Keramikstudio, ich habe da einfach mitgemacht.
Man
könnte sagen, dass ich meine künstlerische Karriere mit Töpfern
begonnen habe. Dieses Interesse begann bereits während meines
Studiums für den Master-Abschluss. Also über einen
Freund, Freundin, bist du dazugekommen?
Ja, das war
ein Kollektiv, kostete nicht viel, es gab vielleicht 70 Leute, das
war in einem alten Supermarkt, und es war 24 Stunden offen, man hat
einen Schlüssel und konnte auf der Töpferscheibe etwas machen. Ein
zweimal in der Woche, das Keramik wurde gebrannt in einem großen
Ofen, ja so war das. Nach meinem Abschluss habe ich mich mehr oder
weniger hauptberuflich der Töpferei gewidmet. Es gab in Berkeley die
Telegraph Avenue, das war eine lange Straße, und da gab es
Straßenkünstler, ja sie verkauften Schmuck, Keramik, alles
handgemacht, man konnte eine Lizenz als eine Bewilligung bekommen
vom Staat, dann hatte man zwei Meter Platz am Bürgersteig und man
konnte einen kleinen Stand aufbauen und die Keramik verkaufen. 1977
habe ich mit drei Freunden ein Stück Land gemietet. Es war eine
150-Hektar-Ranch in der Nähe von Palo Alto, Kalifornien. Da haben
wir ein Keramikstudio aufgebaut,
mit vier
separaten Ateliers und einem sehr großen Brennofen.
Wir nannten unsere Töpferei "Mooney
Flat Potery", weil sie an einer Landstraße namens Mooney Flat Road
lag.
Konntest du
davon leben?
Nein, ich hatte
auch Teilzeitarbeiten, zum Beispiel habe ich als Barkeeper
gearbeitet.
Willst du den
Weg wissen von damals bis heute?
Ja, wir haben
die Information von Inge per E-Mail bekommen. dass du auch Filme
gedreht hast, und fotografiert bei Theaterproduktionen, also du
warst sehr vielseitig und bist noch vielseitig.
Also von der Keramik bin ich zur Holzarbeit
gekommen, ich habe einen Freund gehabt, der sehr begabt als
Kunsthandwerker war, und er hatte die Idee für Schmuckkästen aus
Holz. Ich habe mit ihm gearbeitet, wir hatten eine Werkstatt
gemietet, und wir haben Schmuckkästen gebaut, aus Redwood
(Mammutbaum) und
Mahagoni, und dann haben wir
Halbedelsteine gekauft, Türkis oder Malachit von Afrika usw., dann
haben wir die mit einer Diamantensäge
geschnitten und poliert, und dann in
den Schmuckkasten eingebaut, … und von dem habe ich dann
Silberschmied gelernt, und von diesen Halbedelsteinen habe ich dann
Cabochon gemacht, Halsketten, und dann später Silber-Halsketten und
Silberschmuck, Ringe usw. Ich hatte sowohl in Berkeley als auch in
San Francisco eine Straßenkünstlerlizenz. Das waren von der Stadt
ausgestellte Lizenzen, mit denen man in bestimmten Straßen einen
kleinen Stand aufstellen und seine Werke an Touristen verkaufen
konnte.
Während dieser Zeit lebte ich in San Francisco in einer
Wohnung mit Blick auf die San Francisco Bay und die Golden Gate
Bridge. Aber du bist
dann nicht dabeigeblieben? Du hast dann wieder was Neues gemacht?
Dann bin ich
zurück nach Berkeley und habe mit Fotografie begonnen. In meiner
Wohnung hatte ich eine Dunkelkammer.
In 1980er
Jahren begann ich mit Video
zu arbeiten. Ich verbrachte ein Jahr am College of Arts and Crafts
in Oakland, ein junger Mann unterrichtete Video; er hatte einen
Videosynthesizer gebaut, ein riesiges Ding mit VCS,
Multi-Oszillatoren, weißem Rauschkanal, Videosignal. Man konnte ein
Videoband nehmen und es bearbeiten und all diese seltsamen
psychedelischen Effekte hinzufügen; ich habe stundenlang damit
gearbeitet. Dann gab es das erste Sony Portapack, eine
Schwarz-Weiß-Röhrenkamera mit einem riesigen Tonbandgerät. Das habe
ich mir ausgeliehen und ein paar Videos damit gemacht. Schließlich
kaufte ich eine Videokamera. Ich drehte in 1984 diesen
Dokumentarfilm über die Democratic National Convention in San
Francisco mit einer Freundin, die eine kleine Produktionsfirma
hatte; sie hatte drei professionelle Videokameras. Eines Tages rief
sie mich an und sagte: "Ich fahre nach Spanien, um einen Film über
die Lincoln-Brigade (amerikanische Söldner, die in Spanien gegen die
Faschisten kämpften) zu drehen; möchtest du mitkommen und mit mir
daran arbeiten? Und ich sagte: "Nein, das kann ich nicht machen. Ich
müsste meine Reise selbst bezahlen, und es ist ein weiter Weg.“ Also
bin ich nicht nach Spanien geflogen. Aber sie flog hin und drehte
den Film, und etwa ein Jahr später rief sie mich an und sagte:
"Stell dir vor, ich bin für einen Academy Award (Oscar) für den
besten Dokumentarfilm nominiert worden. Schade, dass du nicht dabei
warst."
In den späten 1980er Jahren in meiner
Nachbarschaft in Berkeley war eine experimentelle Theatergruppe
„Blake Street
Hawkeyes“, und das berühmteste
Mitglied war Whoopi Goldberg. Sie war meine Nachbarin, sie war
damals noch nicht berühmt, und ich habe mit den Black Street
Hawkeyes gearbeitet, zuerst mit Fotografie, habe Theaterstücke
fotografiert, dann habe ich eine Videokamera gekauft, eine der
ersten Consumer-Kameras. Wir sprechen hier über der 1980er Jahre,
damals gab es kein digitales Video, das war noch analog. Ich habe
mit verschiedenen Theatergruppen gearbeitet, Videos gemacht. Ich
habe das für eine Freundin gemacht, sie hieß Karina Epperlein, eine
deutsche Tänzerin und Performance Künstlerin. Sie spielte auch
Cello, und ich habe ein Video von ihrem Stück „i.e. Deutschland“ für
sie gedreht, und das hat dann eine Filmproduzentin und Komponistin
namens Janis Mattox bei einem Filmfestival gesehen. Sie hat mich
danach angerufen und gesagt, ein super Video. Sie wollte mit mir
einen Film machen basierend auf einem Stück Musik, das sie
komponiert hatte. Die Musik, die Janis in einem modernen klassischen
Stil geschrieben hat, trägt den Titel "Book of Shadows". Dies ist
die Bezeichnung für Sammlungen von Heilmitteln, die von Heilerinnen
und Schamanen verwendet werden. Janis hatte viele Ideen für eine
visuelle Erzählung mit einem männlichen und einem weiblichen Tänzer.
Wir haben den Film im Carl-Djerassi-Institut gedreht auf einer
Ranch, da konnte man einen Künstleraufenthalt machen, so wie artist
in residence, es gab viele Künstler, 20 aus Europa und Amerika, sie
haben zusammengelebt, für zwei Monate, jeder hat ein eigenes Studio,
und es gab ein großes Haus, wo alle wohnten. Essen, Wäscherei, alles
war gratis. Dort haben wir ein Tanzstudio gehabt, zweimal so groß
wie dieser Raum oder diese Wohnung hier. Der Boden und die Wände
waren mit schwarzem Stoff bedeckt, so dass der Hintergrund völlig
schwarz zu sein schien. Wir hatten zwei Tänzer, einen Mann und eine
Frau, die nackt und ganz weiß geschminkt waren. Sie bewegten sich
vor einer großen Leinwand aus transparentem Stoff. Wir verwendeten
30 computergesteuerte Diaprojektoren, um Bilder auf die Tänzer und
das transparente Tuch zu projizieren. Der Effekt war, dass die
Körper der Tänzer in den projizierten Bildern zu erscheinen und zu
verschwinden schienen. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber
irgendwie magisch. Wir nutzten andere Möglichkeiten der
Kameramanipulation und Diaprojektionen, um Effekte zu erzielen, die
heute nur noch digital möglich sind. Der Film fand großen Anklang
und gewann eine Reihe von Preisen bei nationalen und internationalen
Filmfestivals. Wurden diese
Filme archiviert, kann man sie noch irgendwo aufrufen? Ja, über das
Internet, man könnte es suchen, es ist wichtig, dass so etwas
archiviert ist. Und nach der
Videokunst?
Ich habe angefangen mit Malen.
Und ich malte weiter in Berkeley, bis
ich 1995 nach Österreich übersiedelte.
Während dieser
Zeit hatte ich eine Mitbewohnerin, eine junge Österreicherin namens
Ingeborg. Sie war und ist Schauspielerin, Schriftstellerin und
Musikerin. Das war meine erste Verbindung zu Österreich. Wir hatten
viele Diskussionen über Kunst und das Leben als Künstlerin. Sie hat
mich immer ermutigt, meinen künstlerischen Interessen nachzugehen.
Sie hat meinen guten Freund Tim geheiratet. Tim ist ein virtuoser
Musiker. Sein Hauptinstrument ist die Sitar. Er hat viele Jahre lang
bei dem berühmten indischen Musiker Ali Akbar Khan studiert. Tim und
ich haben an mehreren Projekten zusammengearbeitet. Don, ich habe
beobachtet, dass deine künstlerische Entwicklung und Kreativität
spontan entstanden ist und durch Freunde, aber nicht durch
irgendwelche Ausbildungen, und das ist vielleicht dieser gute
amerikanische Stil von just do it, Autodidakt. Das ist ein
Unterschied zu Europa.
Ja, hier (in Österreich) ist Autodidakt fast
eine Beleidigung: Oh, der hat das nicht studiert.
Wir hatten einen anderen Künstler im
Radlhof, meinen Freund Johannes. Er ist auch Autodidakt, aber
trotzdem ein begabter Künstler. Ich hatte das Vergnügen, mit ihm vor
einigen Jahren eine Ausstellung zu machen. Als ich in Österreich
angekommen bin, habe ich mich für ein Künstlervisum angemeldet. Da
ich kein Studium gemacht hatte, musste ich ein Bild zu einem
Expertenkomitee bringen, beim Ministerium für Kunst und Kultur, ich
habe noch irgendwo die Briefe, sie haben das Bild angeschaut, und
dann haben sie einen Brief geschrieben:
Er ist definitiv ein Profi, nicht nur
wunderschöne Bilder, sondern sehr eigenartige, …
dann habe ich das Visum bekommen, das
Künstlervisum um hier zu arbeiten, ein Jahr, und dann ist es
erneuert worden, dann zwei Jahre, dann kam meine Einbürgerung.
Gab es Künstler
im klassischen Sinn, die für dich inspirierend waren?
Ja,
es gab Lieblingskünstler wie Miro, Kandinsky, Paul Klee, Was ist das
Schwierigste am Künstler sein?
Ich würde sagen, die schwierigste Aufgabe beim Schaffen von Kunst
ist nicht, wie man ein Werk beginnt, sondern zu wissen, wann es
fertig ist. Meine Malerei war noch nie völlig abstrakt. Sie enthält
oft rätselhafte menschliche oder tierische Figuren. Sie ist nicht
geplant. Auch wenn ich nach der Fertigstellung eines Werkes eine
bestimmte persönliche Bedeutung darin finde, spreche ich nie
darüber. Es ist die Aufgabe des Betrachters, eine Bedeutung in einem
Kunstwerk zu finden. Wenn es für den Betrachter nichts mehr zu tun
gibt, wird das Werk nur noch zur Wanddekoration.
Wie hast du
deine künstlerische Karriere in Österreich fortgesetzt und was war
der Grund, warum du nach Österreich gekommen bist?
Als ich 1995 im Alter von 50 Jahren nach Österreich kam, war ich als
Künstler natürlich völlig unbekannt.
Eine gute österreichische Freundin, Bettina, die
ich in Amerika kennengelernt hatte, bat mich, nach Österreich zu
kommen und ihre Wohnung mit ihr zu teilen. Zu dieser Zeit besuchte
sie die Hebammenschule in Wien. Sie hatte ein 5 Jahre altes Kind,
Songhay. Da sie manchmal Nachtschichten im Krankenhaus in Wien
machen musste und ich zu Hause arbeitete, war ich ein eingebauter
Babysitter für Songhay. Wie ich bereits erwähnt habe, konnte ich
schnell mein Künstlervisum erhalten, das es mir erlaubte, zu bleiben
und zu arbeiten - das war ein perfektes Arrangement für uns beide.
Das Problem für meine künstlerische Karriere war, dass ich zwar
einen guten Lebenslauf als Videokünstler hatte, aber keine
Referenzen als Maler vorweisen konnte. Das bedeutete, dass meine
Marktposition
gleich null war. Im Allgemeinen gibt es zwei Arten von
Kunstgalerien: High-End-Galerien, die ihre Künstler auf großen
Kunstmessen vorstellen und eine Kundenliste mit bedeutenden
Kunstsammlern und Menschen haben, die bereit sind, relativ viel Geld
für Kunst auszugeben.
Sie befassen sich mit den Werken sehr bekannter Künstler oder mit
den Arbeiten junger Talente aus den Kunstschulen, die sie zur
Förderung ausgewählt haben.
Die zweite Art von Galerien nenne ich Kunstläden.
Sie stellen zwar in Galerien aus, aber sie tun sehr wenig, um ihre
Künstler auf hohem Niveau zu fördern. Gleichzeitig kassieren sie
eine Provision von bis zu 50 % des Verkaufs von Kunstwerken. Die
großen Galerien hatten kein Interesse an mir, und ich merkte bald,
dass ich mehr erreichen konnte, wenn ich für mich selbst warb und
mir einen eigenen Kundenstamm aufbaute. Wie bekannt
fühlst du dich als Künstler in St. Pölten? Ich habe im
Laufe der Jahre meine Arbeiten in fast allen Ausstellungsräumen in
St. Pölten ausgestellt: Stadtmuseum, Landesmuseum,
Ausstellungsbrücke usw. Ich bezeichne mich selbst als den
berühmtesten unbekannten Künstler Österreichs. Gab es eine
besonders erfolgreiche Ausstellung?
Ja ich glaube, es war 2001, wo ich eine
Ausstellung bei der Firma Würth gemacht habe.
Ja, da waren wir
auch bei der Vernissage. Ja das war
erfolgreich wegen dem Verkauf, ich habe 50 % der Bilder verkauft.
Wenn es um Geld geht, dann war das die erfolgreichste.
War es
schwierig für dich, Deutsch zu lernen, als du nach Österreich kamst?
Als ich nach Österreich kam, sprach ich kein Deutsch, und meine
Mitbewohnerin Bettina sprach sehr gut Englisch. Sie wollte natürlich
ihr Englisch üben, also haben wir zu Hause hauptsächlich Englisch
gesprochen. Das war natürlich ein Nachteil für mich, und ich
brauchte eine Weile, um Deutsch zu lernen.
Warst
du schon einmal zu Besuch in Amerika?
Nein, ich bin nie zurückgegangen. Aber ich hatte Besuch von guten
Freunden. Meine besten Freunde aus der Studienzeit, Jim und seine
Frau Chris, waren eine Woche lang hier. Sie erinnern sich
vielleicht, dass sie hier im Radlhof gewohnt haben. Sie sind
Weltreisende, und ich habe sie auch vor ein paar Jahren für eine
Woche in Florenz wieder getroffen.
Schließlich hast du angefangen, Englisch zu unterrichten. Wie hast
du in St. Pölten den Englischunterricht begonnen?
Ich begann, als selbständige Unternehmer für ein
Sprachinstitut in St. Pölten zu arbeiten. Es ist schwierig, allein
vom Verkauf von Kunstwerken zu leben, also war dies eine perfekte
Möglichkeit, etwas zusätzliches Einkommen zu erzielen. Ich führte
Einzel- und Gruppentrainings für Geschäftsleute, Politiker und
andere durch.
In den letzten zehn Jahren
habe ich auch viel Übersetzungsarbeit geleistet. Ich habe mich auf
die Übersetzung von Kunstbüchern, Katalogen und Monografien für
andere Künstler spezialisiert.
Du hast
mehrere Projekte durchgeführt: ein Sozialprojekt für Künstler „Kunst
für Menschen in Not“, und vor vielen Jahren ein großes Bild mit
Kindern für das Rathaus St. Pölten gestaltet.
Ja, "Kunst für Menschen in Not" war ein
Wohltätigkeitsprojekt, das ich 2007 gegründet und bis 2014 geleitet
habe. Bis zu 30 weitere Künstlerinnen und Künstler nahmen an dem
Projekt teil. Es handelte sich um eine Internetauktion und eine
abschließende Ausstellung, deren Erlös zu 100 % an eine von 23
nationalen und internationalen Hilfsorganisationen ging. Die Käufer
der Kunstwerke konnten die Organisation auswählen, die das Geld
erhalten sollte.
Das Bild für das Rathaus, nach dem du fragst, war ein
Projekt mit rund 1200 Schulkindern in St. Pölten. Es war Teil der
Feierlichkeiten zum 500-jährigen Bestehen des St. Pöltner Rathauses.
Ich ließ die Kinder Bilder von Menschen, Pflanzen oder Tieren in
einem Medium ihrer Wahl malen. Ich sammelte die Bilder und nahm
Elemente aus jedem Bild, um eine große Landschaft mit St. Pölten im
Hintergrund zu gestalten. Wenn ich mich richtig erinnere, war das
Bild 250 mal 170 Zentimeter groß.
Im Rahmen des Projekts habe ich auch eine interaktive CD mit Fotos
von allen Bildern der Kinder erstellt. Sie konnten ihr eigenes Bild
und die Bilder aller anderen Kinder finden. Die Idee war, dass die
Kinder das Rathaus besuchen und die Elemente ihrer Bilder in dem
größeren Gemälde wiederfinden können.
Wann
war deine Einbürgerung? Wie schwierig war das?
Ich habe meine
US-Staatsbürgerschaft (gerne) aufgegeben und wurde 2004
österreichischer Staatsbürger.
Ich kann keine
Vergleiche anstellen, aber ich denke, dass es für mich als
selbständigen Künstler ohne Angehörige relativ einfach war.
Im Laufe der
Jahre hatte ich durch Kunstausstellungen und Englischkurse Kontakte
zu vielen Geschäftsleuten, Politikern und anderen Personen geknüpft,
die mir gute Empfehlungen für die Staatsbürgerschaft gegeben haben.
Und ja, dieser
Prozess verlief ziemlich reibungslos.
Du arbeitest
schon seit einigen Jahren mit Filz. Wie hast du dieses Material
entdeckt?
Ja, seit 2014
arbeite ich ausschließlich mit Filz. Es begann mit Gesprächen mit
einem Kunden über einen Kunstauftrag für sein neues Haus. Er wollte
Kunstwerke, die auch die Akustik des Hauses verbessern würde.
Das
erste Material, das mir in den Sinn kam, war Filz, da es häufig zur
Dämpfung der Akustik in Tonstudios verwendet wird. Der Zufall wollte
es, dass ich eine lokale Künstlerin traf, die mit Filz arbeitete.
Sie brachte mir das so genannte Nassfilzverfahren bei. Bei diesem
Verfahren wird die rohe Schafswolle zur Herstellung des
Filzmaterials verwendet. Ich fand ein Unternehmen, das die Rohwolle
bereits in verschiedenen Farben gefärbt liefern konnte. Wir stellten
das Filzmaterial in meinem Atelier her, und ich fertigte damit 15
große Bilder für den Auftrag an. Es ist etwas schwierig, das
Endprodukt zu beschreiben, aber ihr könnt Beispiele für die
Kunstwerke und den Prozess auf meiner Website
www.tintezirkus.com
sehen.
Wie findest du
deine Lebenssituation am Radlhof?
Ich wohne nun
schon seit 28 Jahren im Radlhof und nenne ihn meine Endstation.
Nach 50 Jahren
in Amerika kam Österreich und insbesondere der Radlhof als eine Art
Wiedergeburt.
Ich könnte
wohl sagen, dass ich mit dem Leben in Amerika und insbesondere mit
der amerikanischen Kultur und Politik nie zufrieden war.
Man muss sich
nur die letzten Jahre in Amerika ansehen, und wie tief die Politik
seit Trump gesunken ist.
Natürlich ist
Europa nicht frei von Problemen und Herausforderungen, aber es ist
immer noch lebenswerter als Amerika, besonders für Künstler.
Der Radlhof
ist eine kleine, engmaschige Gemeinschaft von Nachbarn, die für mich
in den letzten 28 Jahren eine Oase gewesen ist.
Ich kann mir nicht vorstellen, woanders leben zu wollen.
In deiner
beruflichen Laufbahn hast du im Laufe der Jahre viele Veränderungen
durchgemacht. Was ist für dich die nächste große Veränderung?
Oh, ich weiß
nicht. Ich bin erst 77, also werde ich vielleicht Astronaut oder
vielleicht ein Cowboy. Einer der Vorteile, ein berühmter unbekannter
Künstler zu sein, ist, dass man alles machen kann, was man will,
weil man nichts zu verlieren hat. Jänner 2024
[1]
Dieser Text basiert auf einem Interview, das Auguste und
René Reichel im Dezember 2023 mit Don geführt haben, mit
einigen nachträglich eingefügten Ergänzungen. |